Aktuell ist der Fachkräftemangel in vielen Berufszweigen ein relevantes Thema. Wie schätzen Sie die aktuelle Personalsituation von Medizinischen Fachangestellten (MFA) in hausärztlichen Praxen in Deutschland ein?
Susanne Rupprath: Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Beruf der MFA in der hausärztlichen Praxis ein beliebter Ausbildungsberuf ist. Trotzdem wird es für die Praxen immer schwieriger, geeignete Auszubildende zu finden. Das liegt unter anderem daran, dass der Bedarf derzeit höher ist als der kommende Nachwuchs. Eventuelle Gründe könnten sein, dass die meisten mit einem Abiturabschluss eher studieren wollen. Für eine Ausbildung zur MFA ist ein Realschulabschluss jedoch ausreichend.
Ein weiterer Punkt ist, dass es Abwanderungen der MFA aus den Praxen in Krankenhäuser gibt – dort gibt es bessere Verdienstmöglichkeiten. Grundsätzlich ist die Situation natürlich auch nicht überall gleich: Einzelpraxen, Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind sehr heterogen.
Was glauben Sie, könnte den Beruf oder die Ausbildung zur MFA in der hausärztlichen Praxis ansprechender gestalten?
Susanne Rupprath: Für viele wären flexiblere Arbeitszeiten wünschenswert, insbesondere Mütter würden davon profitieren. – Inwiefern dies umsetzbar ist, muss sicherlich individuell betrachtet werden. Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern andere Leistungen anzubieten, zum Beispiel, dass für das Schließen von Praxen an Brückentagen kein Urlaubstag eingesetzt werden müsste. Auch interessante Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die unter anderem den Austausch unter Kolleginnen und Kollegen fördern, gestalten den Beruf MFA ansprechend.
Was ist MFA 2.0?
MFA 2.0 ist der qualifizierte (Wieder-)Einstieg in die Hausarztpraxis. Die Fortbildungsreihe MFA 2.0 besteht aus acht Modulen und ist eine optimale Vorbereitung für den Praxisalltag.
Sie richtet sich an:
- MFA/Arzthelferinnen und Arzthelfer aus längeren Beschäftigungspausen
- MFA, die aus fachärztlichen Bereichen in die hausärztliche Versorgung wechseln
- Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger oder Altenpflegerinnen und -pfleger, die aus dem stationären Gesundheitssektor kommend, eine Beschäftigung innerhalb der hausärztlichen Versorgung anstreben
- Kolleginnen und Kollegen, die im Ausland eine MFA-vergleichbare Qualifikation erworben haben
- interessierte MFA, die ein Update wünschen
- Auszubildende in der Hausarztpraxis
- Interessierte, die aus anderen Berufen in die Hausarztpraxis gewechselt haben
Auch wenn Sie vorrangig die VERAH-Fortbildung und MFA 2.0 organisieren, können Sie uns ein paar Maßnahmen der Personalbeschaffung für hausärztliche Praxen nennen, die bislang am besten für MFA funktioniert haben?
Susanne Rupprath: Nach Erfahrungen und Aussagen von MFA kommen die meisten Bewerberinnen und Bewerber durch das Arbeitsamt, durch Stellenausschreibungen im Internet oder in der Zeitung sowie über die Praxiswebseite. Auch Schnuppertage bieten eine tolle Möglichkeit, Einblicke in den Beruf einer MFA innerhalb der hausärztlichen Praxis zu erhalten. Immer mehr höre ich auch, dass einige Bewerberinnen und Bewerber über die Sozialen Medien auf Stellenausschreibungen aufmerksam werden, zum Beispiel über die Facebook-Gruppe „MFA sucht Kollegin“, Instagram und sogar Kleinanzeigen.
Zeichnet sich ein Trend hinsichtlich der Einstellung von Quereinsteigenden als MFA für hausärztliches Praxispersonal ab?
Susanne Rupprath: Der Bedarf an nichtärztlichem Praxispersonal ist auf jeden Fall da. Es erreichen uns zunehmend Anfragen von hausärztlichen Praxen, besonders aus den ländlichen Regionen, die im Vergleich zu Stadtpraxen schlechter besetzt sind und dringend nach Praxispersonal suchen. Häufig stammen die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus der Kranken- und Altenpflege. Allerdings sind es auch MFA, die aus fachärztlichen Bereichen in die hausärztliche Versorgung wechseln möchten, zum Beispiel aus Zahnarztpraxen oder Tierarztpraxen. Oder diejenigen, die nach ihrer Kinderpause wieder in die Praxis möchten.
Uns erreichen mittlerweile aber auch Interessierte, die im Ausland eine MFA-vergleichbare Qualifikation erworben haben und in Deutschland ihren Beruf fortführen möchten. Zudem kamen in den letzten Jahren viele Bewerbungen von beispielsweise Hotelfachangestellten oder Fachkräften aus Fitnessstudios hinzu.
Generell stellt sich für Praxen und Interessierte immer die Frage, wie Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger schnell und qualifiziert ausgebildet werden können, um dann zeitnah in Praxen eingesetzt zu werden. Da sind wir mit unserer Fortbildung MFA 2.0 die beste Anlaufstelle.
Die Fortbildung ist die optimale Vorbereitung für den Praxisalltag durch Kompetenzsteigerung. Zudem werden dort relevante medizinische Inhalte vermittelt.
Darum lohnt sich der Quereinstieg zur MFA in der hausärztlichen Praxis sowie die stetige Fort- und Weiterbildung:
- Mehr Wissen = Mehr Eigenständigkeit
- Höheres Einkommen durch Fortbildungen und eine gute Qualifikation
- Steigerung der Arbeitsmotivation und Berufszufriedenheit
- Noch mehr Möglichkeiten der Weiterentwicklung, z. B. durch ein Studium
Schon gewusst? Es gibt jetzt einen Bachelor-Studiengang für MFA: hier mehr erfahren!
Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es für hausärztliches Praxispersonal wie MFA, zum Beispiel VERAH?
Susanne Rupprath: Die VERAH-Fortbildung stellt eine gute, solide Grundlage dar. Im Anschluss daran kann dann Wissen in verschiedenen Bereichen vertieft und erweitert werden. Durch den Besuch von VERAH-Kongressen und Web-Seminaren, die auch für alle MFA ohne VERAH-Qualifikation zugänglich sind, gelangt man ebenfalls zu vielen verschiedenen Themen. Grundsätzlich gilt jedoch: Es ist nicht verpflichtend, aber empfehlenswert, regelmäßig Fortbildungsangebote wahrzunehmen.
Eure Praxis nimmt an der HZV teil? Dann schaut bei unseren MFA-Webinaren vorbei.